Der Ksar Tinghir oder das "Judenviertel"

Dank seiner Lage zwischen Vorgebirge und Ebene, seiner Grösse (300 Häuser), den guten Handwerkern und dem regen Handel, war Tinghir seit Jahrhunderten der wichtigste Ksar im ganzen Todra-Tal. Tinghir war der einzige Ksar mit 6 Eingangstoren und beherbergte ein Judenviertel mit 70 Familien, wobei manchmal Konfusionen entstanden.

Der Ksar Tinghir um 1930

Der Leutnant Beaurpère beschrieb 1930 den Ksar Tinghir folgendermassen :

«  Tinghir » 300 Haushalte; Issoukiin, Imazighen und Israeliten. Großer Ksar mit 6 Eingangstoren, am rechten Flussufer, am Fusse des Hügels « Ighir el Mehalt”.

Er ist aufgeteilt in 3 « adam » (Volksstämme): Harratin, Aït el Hajj Ali, Aït Barra.

Eine Mellah bestehend aus 70 Haushalten befindet sich in der Mitte des Ksars;

Die Ait Barra wohnen in einem kleinen Ksar, angrenzend an Tinghir, südlich gelegen und sie gehören mit den Ou Ali n’Ait Salem ; Nasseur n’Ait Salem zu den angesehenen Stämmen.

Die wichtige Zawiya (Gebäude einer muslimischen Bruderschaft) der Nasiria wurde von Sidi Smain gegründet.

Sie besteht im Innern aus 2 Koubbas (Grabstätte mit Kuppeldach einer verehrten Person), die Koubba von Sidi Smain und die Koubba von Sidi Meskour.

Das ehemalige Oberhaupt der Zawiya, Kadi Si El Mehdi El Nasiri, von allen geachtet und respektiert wurde 1927 vom Stamm der Glaouis in Teleout ins Gefängnis gesteckt, ihm wurde feindliche Gesinnung vorgeworfen. Er verstarb 1929 in Telouet

Aktueller Moqqadem (Verterter der Zentralverwaltung): Sidi Haoussa.

Angesehene Persönlichkeit : Sidi Ali.

Tinghir zählt 3 Moscheen, diejenige im Harratinviertel beherbergt die Koubba des Sidi Ameur und hat ein Minarett.

Weitere Bruderschaften: Tijaniya: Si Ben Nasseur oder Melrghad ; Moha Haousa (vom Ksar Jdid) ; Qadyriya : moqq. Haddou n’Aït Lhassen oder Ali, verstorbene Marabuts der Ait Bou Tekhsain aus Ferkla ;

Die verstorbenen Marabuts der Ait Bou Hellal, abstammend aus Tadraklout de Metaghra.

Israelitische Persönlichkeiten : Maghlouf n’Ikhelouin ; Ichaia.

Tinghir wird mit Wasser über die Seguias (Irrigationskanäle) versorgt und im Falle einer Belagerung über die unzähligen Brunnen.

Industrie : Schneider, traditionelle Babuschenmacher (belghas), Ledergerberei.

Handel : Der große Souk und Souk Tnine am Rande des kleinen Ksar der Ait Barra ; große Anzahl an Stallungen; die Rendite des Marktes wurde an den Kalifen der Glaoua ausbezahlt.

Jeden Montag werden 120 bis 200 Schafe, 30 bis 40 Rinder, Esel und Maultiere verkauft.

Zulauf der Ait Ata und der Ait Morghad vor den Ereignissen von 1927 und 1929 ».

Der Ksar Tinghir heute

In Folge seiner Lage mitten in der neuen Stadt Tinghir und dank Sanierung und Anschluss ans örtliche Wasser und Elektrizitätsnetz bleibt der Ksar Tinghir noch einer von den wenigen bewohnten im Todra-Tal. Sein Erscheinungsbild hat sich jedoch verändert. Die alten Stadtmauern sind völlig verschwunden und das letzte der 6 Eingangstore wurde durch einen Entschluss der Gemeindeversammlung 1966 abgerissen.

Außerdem wurden die meisten Häuser rund um den Ksar aus Beton gebaut, in einem Stil, der absolut nichts mehr mit der traditionellen Architektur der alten Ksours gemeinsam hat. Sogar eine seiner drei Moscheen, die im Ihartane-Viertel, wurde neu aus Beton geschaffen.

Seit Ende 2013 unterliegt dieser Ksar einem Restaurierungsplan gefördert durch die Vereinigung Mqorn und finanziert durch den Staat und die Gemeinde. Dadurch wird es möglich sein diesem sein ursprüngliches Aussehen zurückzugeben.

Regen Betrieb herrscht in der « Gasse der Frauen » mit den vielen Kleidergeschäften, Stoffläden und Schmuckwarenhändlern.

Weiter gibt es die Fabrikanten der Blasebälge und in der alten Gerberei werden die Häute der Schafe verarbeitet, die später als Teppiche dienen.

Zudem, die aus dem Stamm der Ait Abdi und Ait Hadidou abstammenden Bewohner, brachten die Kenntnisse des Teppichknüpfens mit, was zur Entwicklung des weiblichen Handwerkes und des Teppichhandels beitrug.

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